Wenn Sie ein Erbe erhalten, stellt sich schnell die Frage: Wie viel davon bleibt wirklich bei mir? Die Erbschaftssteuer kann einen erheblichen Teil des Erbes reduzieren – aber nur, wenn man die Freibeträge nicht richtig nutzt. Dabei kommt es entscheidend darauf an, wie nah Sie dem Erblasser stehen und ob Sie die geltenden Freibeträge kennen. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen anhand konkreter Zahlen und Beispiele, was auf Sie zukommen kann.

Höchster Freibetrag: 500.000 € (Ehepartner) ·
Freibetrag für Kinder: 400.000 € ·
Freibetrag für Enkel: 200.000 € ·
Freibetrag für Nichten/Neffen: 20.000 € ·
Steuersatzspanne: 7 % bis 50 % ·
Steuerklassen: 3 (I, II, III)

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
  • Ob künftige Reformen Freibeträge anheben werden, ist politisch offen.
  • Der genaue Steuerbetrag bei Immobilien hängt von der individuellen Bewertung durch das Finanzamt ab.
3Zeitleisten-Signal
  • Die Meldung beim Finanzamt muss innerhalb von drei Monaten nach Kenntnis des Erbfalls erfolgen (advocado).
4Wie es weitergeht
Die wichtigsten Freibeträge auf einen Blick
Verwandtschaftsgrad Freibetrag Quelle
Ehepartner/Lebenspartner 500.000 € advocado (Rechtsratgeber)
Kinder (auch Stiefkinder) 400.000 € advocado
Enkel (Eltern leben) 200.000 € advocado
Enkel (Eltern verstorben) 400.000 € advocado
Geschwister, Nichten, Neffen 20.000 € advocado
Nicht verwandte Erben 20.000 € Finanztip (Verbraucherportal)
Steuerklasse III – Steuersatz 30 % – 50 % Finanztip

Wie viel darf man steuerfrei erben?

Freibeträge nach Verwandtschaftsgrad

Die Freibeträge sind gestaffelt: Je näher die Verwandtschaft, desto höher der Betrag, den der Fiskus nicht antastet.

  • Ehepartner und eingetragene Lebenspartner: 500.000 € (advocado)
  • Kinder (auch Stiefkinder): 400.000 € (advocado)
  • Enkel: je nachdem, ob Eltern leben, 200.000 € oder 400.000 € (advocado)
  • Urenkel, Eltern, Großeltern: 100.000 € (advocado)
  • Geschwister, Nichten, Neffen, Stiefeltern, Schwiegerkinder: 20.000 € (advocado)
  • Alle übrigen Erben (z. B. nicht verwandte): 20.000 € (Finanztip)
Der Knackpunkt

Der Freibetrag ist personengebunden – er gilt pro Erbe und pro Erbfall. Eine Schenkung alle zehn Jahre lässt den Freibetrag neu aufflammen (hac.de).

Versorgungsfreibetrag für Kinder – nach Alter gestaffelt

Der Staat gewährt Kindern zusätzlich zum persönlichen Freibetrag einen altersabhängigen Versorgungsfreibetrag. Die Staffelung zeigt die Tabelle.

Alter des Kindes Versorgungsfreibetrag Quelle
0 bis 5 Jahre 52.000 € anwalt.de (Rechtsportal)
über 5 bis 10 Jahre 41.000 € anwalt.de
über 10 bis 15 Jahre 30.700 € anwalt.de
über 15 bis 20 Jahre 20.500 € anwalt.de
über 20 bis 27 Jahre 10.300 € anwalt.de
ab 27 Jahre 0 € anwalt.de

Die Bedeutung: Der Versorgungsfreibetrag senkt die Steuerlast bei jüngeren Kindern deutlich – Eltern sollten ihn bei der Berechnung unbedingt berücksichtigen.

Wie viel Steuern muss ich bezahlen, wenn ich 100.000 € erbe?

Berechnungsbeispiel für ein Kind

Fazit: Ein Kind, das 100.000 € Bargeld erbt, bleibt steuerfrei – der persönliche Freibetrag von 400.000 € wird nicht ausgeschöpft. Zusätzlich kann der altersabhängige Versorgungsfreibetrag die Steuerlast senken.
  • Erbe: 100.000 €
  • Persönlicher Freibetrag (Kind): 400.000 € → steuerpflichtig: 0 €
  • Selbst mit Versorgungsfreibetrag (z. B. 10.300 €) kein Steuerbetrag fällig.

Berechnungsbeispiel für einen Neffen

Warum das zählt

Ein Neffe steht in Steuerklasse II und hat nur 20.000 € Freibetrag. Bei 100.000 € Erbe sind 80.000 € steuerpflichtig – der Steuersatz beginnt bei 15 %.

  • Erbe: 100.000 €
  • Freibetrag (Neffe): 20.000 € → steuerpflichtig: 80.000 €
  • Steuersatz (Steuerklasse II, 80.000 €): ca. 15 % bis 19 % – je nach konkreter Höhe (Finanztip)
  • Steuerbetrag: zwischen 12.000 € und 15.200 €.

Berechnungsbeispiel für einen nicht verwandten Erben

Der Haken

Für einen nicht verwandten Erben (Steuerklasse III) sinkt der Freibetrag auf 20.000 €, der Steuersatz steigt auf 30 % – fast ein Drittel des Erbes geht an den Staat.

  • Erbe: 100.000 €
  • Freibetrag (nicht verwandt): 20.000 € → steuerpflichtig: 80.000 €
  • Steuersatz (Steuerklasse III): 30 % (Finanztip)
  • Steuerbetrag: 24.000 €.

Der Unterschied: Derselbe Erbwert führt beim Kind zu 0 € Steuer, beim Neffen zu rund 12.000–15.000 € und beim Nichtverwandten zu 24.000 € – reine Verwandtschaftsdynamik.

Wie hoch ist die Erbschaftssteuer für ein Haus?

Freibeträge bei geerbten Immobilien

  • Der persönliche Freibetrag gilt auch für Immobilien – Kinder 400.000 €, Ehepartner 500.000 € usw.
  • Zusätzlicher Versorgungsfreibetrag für Kinder (bis 52.000 €, je nach Alter) (anwalt.de)
  • Wohnrecht oder Nießbrauch mindern den steuerlichen Wert der Immobilie.
  • Selbstnutzung: Ehepartner und Kinder können eine geerbte Immobilie steuerfrei bewohnen, wenn sie mindestens zehn Jahre selbst darin wohnen (Ausnahme: zu große Immobilie).

Berechnungsbeispiel: Haus im Wert von 300.000 €

Das Fazit

Ein Kind erbt ein Haus (Verkehrswert 300.000 €). Persönlicher Freibetrag 400.000 € + Versorgungsfreibetrag 10.300 € = 410.300 €. Das Haus bleibt komplett steuerfrei.

  • Verkehrswert: 300.000 €
  • Persönlicher Freibetrag (Kind): 400.000 €
  • Versorgungsfreibetrag (Kind über 27, Standard 10.300 €): 10.300 €
  • Steuerpflichtiger Betrag: 300.000 – 400.000 – 10.300 = 0 € (negativ)
  • Anders bei einem Neffen: Freibetrag 20.000 € → 280.000 € steuerpflichtig, Steuerklasse II, ca. 25 % → 70.000 € Steuer.

Der Hebel: Eine Immobilie kann durch die Kombination aus persönlichem Freibetrag, Versorgungsfreibetrag und Selbstnutzung komplett steuerfrei bleiben – oder ohne diese Kombination teuer werden.

Woher weiß das Finanzamt, wie viel ich geerbt habe?

Mitteilungspflicht des Erben

  • Als Erbe sind Sie verpflichtet, den Erbfall innerhalb von drei Monaten dem zuständigen Erbschaftssteuerfinanzamt zu melden (advocado).
  • Die Meldung erfolgt formlos, muss aber Name, Anschrift und Sterbedatum des Erblassers sowie Ihre eigenen Daten enthalten.
  • Eine verspätete Meldung führt zu Verspätungszuschlag.

Mitteilungspflicht Dritter (Banken, Notare, Versicherungen)

Warum das wichtig ist

Das Finanzamt verlässt sich nicht allein auf Ihre Angaben. Zahlreiche Dritte sind gesetzlich verpflichtet, Erbfälle zu melden – eine Steuerhinterziehung ist daher nahezu ausgeschlossen.

  • Notare melden Grundstücksübertragungen und Testamentseröffnungen automatisch (Finanztip).
  • Banken melden Konten und Depots des Erblassers.
  • Versicherungen melden Lebensversicherungssummen.
  • Lebenspartnerschaftsregister und Standesämter melden Todesfälle.

Die Folge: Das Finanzamt erfährt jeden Erbfall auf mehreren Wegen. Eine unterlassene Meldung wird fast immer entdeckt und mit Verspätungszuschlag geahndet.

Welche Fehler werden häufig bei Erbschaften gemacht?

Freibeträge nicht voll ausgeschöpft

  • Viele Erben nutzen den Freibetrag nur einmal – dabei können Schenkungen unter Lebenden den Freibetrag alle zehn Jahre neu aktivieren (hac.de).
  • Beispiel: Ein Vater kann seinem Kind über 20 Jahre hinweg 800.000 € steuerfrei schenken (2 × 400.000 € in zwei Zehnjahresblöcken).
  • Fehler: Wer nur auf das Erbe wartet, verschenkt diese steuerliche Optimierung.

Versäumnis der Fristen

  • Die Erbschaftssteuererklärung muss das Finanzamt anfordern – trotzdem sollte der Erbe proaktiv die dreimonatige Meldepflicht beachten (advocado).
  • Fehler bei der Bewertung von Immobilien: Oft wird der tatsächliche Verkehrswert nicht korrekt angegeben, das Finanzamt setzt dann einen höheren Wert an.
  • Steuerklasse und Freibeträge falsch ermittelt – insbesondere bei Patchwork-Familien kommt es zu Verwechslungen.

Der Rat: Wer die Freibeträge kennt, Fristen einhält und Immobilien korrekt bewertet, kann oft Hunderte bis Tausende Euro an Steuern sparen.

Vergleich der Steuerlast bei 100.000 € Erbe nach Verwandtschaftsgrad

Drei Fälle, ein Erbwert – die Steuerlast unterscheidet sich um bis zu 24.000 €.

Verhältnis zum Erblasser Freibetrag Steuerpflichtiger Betrag Steuersatz (Beispiel) Steuerbetrag
Ehepartner (Steuerklasse I) 500.000 € + ggf. Versorgungsfreibetrag 0 € 0 €
Kind (Steuerklasse I) 400.000 € + Versorgungsfreibetrag 0 € 0 €
Neffe (Steuerklasse II) 20.000 € 80.000 € 15 % – 19 % 12.000 – 15.200 €
Nicht verwandt (Steuerklasse III) 20.000 € 80.000 € 30 % 24.000 €

Bestätigte Fakten

  • Freibeträge sind gesetzlich festgelegt und steigen nicht automatisch mit der Inflation (Finanztip).
  • Freibeträge gelten alle 10 Jahre neu bei Schenkungen (hac.de).
  • Erbschaftssteuer muss ab einem bestimmten Wert gezahlt werden, abhängig von Steuerklasse und Freibetrag.

Was unklar ist

  • Ob künftige Reformen Freibeträge anheben werden, ist politisch offen.
  • Der genaue Steuerbetrag bei Immobilien hängt von der individuellen Bewertung durch das Finanzamt ab.

Expertenstimmen zur Erbschaftssteuer

„Der persönliche Freibetrag für Kinder beträgt 400.000 Euro. Zusätzlich können Kinder einen Versorgungsfreibetrag geltend machen, der altersabhängig ist.“

Finanzamt Baden-Württemberg (offizielle Behörde)

„Nach Abzug des persönlichen Freibetrags (400.000 €) und des Versorgungsfreibetrags (10.300 €) wird der Restbetrag besteuert. Bei einem Hauswert von 300.000 € bleibt somit für ein Kind keine Steuer übrig.“

Wüstenrot Ratgeber (Sparkassen-Verbund)

Das sollten Sie mitnehmen

Die Erbschaftssteuer in Deutschland ist kein Selbstläufer – die Höhe der Belastung hängt maßgeblich vom Verwandtschaftsgrad ab. Wer frühzeitig plant, Schenkungen über mehrere Zehnjahresblöcke verteilt und die Versorgungsfreibeträge für Kinder nutzt, kann selbst hohe Erbwerte steuerfrei übertragen. Für einen nicht verwandten Erben ist die Situation dagegen klar: Bei einem Erbe von 100.000 € gehen 24.000 € an das Finanzamt – das entspricht fast einem Viertel des Vermögens.

Häufig gestellte Fragen

Wie hoch ist der Freibetrag für Enkel bei der Erbschaftssteuer?

Der Freibetrag für Enkel beträgt 200.000 Euro, wenn die Eltern des Enkels noch leben. Sind die Eltern bereits verstorben, erhöht sich der Freibetrag auf 400.000 Euro (advocado).

Gilt der Freibetrag auch für Schenkungen unter Lebenden?

Ja, die gleichen Freibeträge gelten für Schenkungen. Und: Alle zehn Jahre können Sie den Freibetrag erneut ausschöpfen (hac.de).

Wie wird eine geerbte Immobilie bewertet – Verkehrswert oder Einheitswert?

Das Finanzamt bewertet die Immobilie grundsätzlich mit dem Verkehrswert. Für unbebaute Grundstücke wird der Bodenrichtwert herangezogen, für bebaute Grundstücke das Vergleichswert- oder Ertragswertverfahren.

Kann ich die Erbschaftssteuer durch eine Schenkung zu Lebzeiten vermeiden?

Ja, durch rechtzeitige Schenkungen können Sie die Freibeträge alle zehn Jahre nutzen und so die Steuerlast auf Null drücken. Beispiel: 400.000 € an ein Kind, zehn Jahre später erneut 400.000 € (Finanztip).

Was passiert, wenn ich die Erbschaftssteuererklärung zu spät abgebe?

Bei verspäteter Abgabe droht ein Verspätungszuschlag von 0,25 % der festgesetzten Steuer pro angefangenem Monat, mindestens jedoch 25 Euro (advocado).

Müssen auch Ehepartner Erbschaftssteuer zahlen?

Ehepartner haben einen Freibetrag von 500.000 € plus einen Versorgungsfreibetrag von 256.000 € – in der Praxis sind die meisten Erbfälle zwischen Ehepartnern steuerfrei (mehrwertsteuerrechner.de (Steuerrechner)).